Petry, Siegfried:

Erlebnisgedächtnis und Posttraumatische Störungen - Begleitetes Wiedererleben als Therapie.

 

Die Originalausgabe im Verlag Pfeiffer ist vergriffen.

 

Wenn Sie Interesse an einem Exemplar des privaten Nachdrucks von 2010 haben, wenden Sie sich bitte an uns. Wir vermitteln Ihnen einen Kontakt über den Sie das Buch beziehen können.

 

Die Kosten belaufen sich auf 20,00 Euro. Davon kostet das Buch 18,00 Euro. Zwei Euro für Porto und Versand.

 



Rezension bei www.amazon.de vom 12. August 2005

Ein Durchbruch in der Psychologie!

 

Wenn sie dieses auch für Laien geschriebene Buch gelesen und halbwegs verstanden haben, können sie das meiste ihrer Psychologie-Literatur getrost ad acta legen. Siegfried Petry erklärt in diesem Werk sehr anschaulich und verständlich die Arbeitsweise des "Erlebnisgedächtnisses", das sozusagen Gefühle und Erinnerungen lebhaft abspeichert. Mit Hilfe des "begleiteten Wiedererlebens" kann man an diese aufgestauten, in der Regel schmerzhaften Szenen wieder herankommen. Durch das wiederholte Durchleben lösen sich die daran geknüpften Symptome auf (es sei denn, es existiert noch eine frühere Szene) und Heilung setzt ein.

 

Es ist klar, dass Therapien, die das nicht berücksichtigen (und das dürften fast alle gängigen sein), keine wirkliche Heilung bewirken können. Das durchweg sehr gut formulierte Buch beschreibt 20 Fallbeispiele und schildert sogar die erfolgreiche Anwendung bei einem 11 Tage alten Säugling, der an einer traumatischen Geburt litt.

Ich persönlich wünsche mir, dass Siegfried Petrys Buch größtmögliche Aufmerksamkeit zuteil wird, damit diesen Erkenntnissen auf breiter Ebene zum Durchbruch verholfen wird.

 

- F.D. -Berlin-

 

Wir danken dem Rezensenten für die Besprechung des Buches und erlauben uns, diese hier wiederzugeben. Wir nehmen an, damit auch im Sinne des Verfassers zu handeln, den wir nicht zuvor um Erlaubnis bitten konnten, da wir seinen Namen und seine Anschrift nicht kennen. Wir würden uns freuen, wenn er sich mit uns in Verbindung setzen würde.

 

Rezension von Dr. Ludwig Janus

 

Siegfried Petry fasst in diesem Buch seine Hypothesen und Beobachtungen zum Erlebnisgedächtnis und den Möglichkeiten eines begleiteten Wiedererlebens in einer systematischen und sehr gut lesbaren Weise zusammen.


Erste Formulieren seiner Theorie hatte Petry 1993 und 1994 in dieser Zeitschrift dargestellt (Vol. 5 (1993), S. 511-526; Vol. 6 (1994), S. 151-158).

In Überzeugender Weise setzt er seine Befunde Über das Erlebnisgedächtnis in Verbindung zu den neuen Theorien und Befunden Über Prozesse des Wiedererlebens bei posttraumatischen Störungen. Mit seiner Beschreibung des Erlebnisgedächtnisses als einer grundlegenden Form der Erinnerung neben der kognitiven Erinnerung hat Petry meines Erachtens einen grundlegenden Zusammenhang erfasst und beschrieben, der über die Psychotherapie hinaus für das Verständnis menschlichen Verhaltens von Bedeutung ist. Die Fülle seiner Beispiele aus dem Alltag und aus Behandlungen zeigen, dass Erinnern als Wiedererleben in viel größerem Ausmaß eine Rolle spielt, als bisher realisiert worden ist. Mit dem therapeutischen Setting des begleiteten Wiedererleben hat Petry ein bedeutsames psychotherapeutisches Terrain erschlossen, das besonders bei schweren Traumatisierungen von Bedeutung ist, darüber hinaus aber für die psychotherapeutische Arbeit grundsätzliche Bedeutung hat.

Man kann dem Buch nur eine sehr lebhafte Diskussion dazu wünschen, wie seine Befunde in die herkömmlichen psychotherapeutischen Settings integriert werden können. Das gilt sowohl für den Bereich der Psychoanalyse, wie auch für den Bereich der Verhaltenstherapie.


Petry zeigt Überzeugend, dass viele psychische und psychosomatische Symptome in Wiedererlebensprozessen wurzeln. Sache und Verantwortung des Psychotherapeuten ist, den Patienten bei der Auflösung und Integration erlittener Verletzungen zu begleiten. Dies kann dadurch behindert werden, dass die Bedeutung früher Verletzungen nicht ausreichend gewürdigt wird. Mir scheint, dass die psychotherapeutischen Schulen hier durch eine unreflektierte Abhängigkeit vom Common Sense, der die Möglichkeit von frühen Verletzungen für unglaubwürdig hält, beeinträchtigt werden. Die Ablenkung von der Wirklichkeit früher Traumatisierungen kann in der Psychoanalyse durch triebtheoretische Spekulationen geschehen, in der Verhaltenstherapie ist sie systematisch ausgeschlossen. Dabei realisiert die Verhaltenstherapie in ihrem praktischen therapeutischen Vorgehen der Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen eine Art Ansatz zur Auseinandersetzung mit der frühen Verletzung. So kann man gerade Verhaltenstherapeuten das Buch von Petry nur dringlich empfehlen. Er zeigt, wie Ängste, Paniken, Phobien und Zwänge sich durch die Theorie des Erlebnisgedächtnisses und des Wiedererlebens zwanglos erklären lassen.

Für die Pränatale Psychologie ist bedeutsam, dass das Erlebnisgedächtnis schon weit vor der Geburt, während der Geburt und nach der Geburt funktioniert. Gerade geburtliche Beeinträchtigungen werden ja weithin noch bagatellisiert. Viele Beispiele von Petry zeigen, dass psychische und psychosomatische Symptome hier ihre Wurzeln haben können. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung und konstruktive Diskussion. Diese wird klären müssen, wie die Befunde von Petry in Beziehung zu setzen sind mit den Auswirkungen von komplexeren Beziehungstraumen oder Beziehungsverzerrungen, Störungen der inneren Strukturbildung und der Dynamik der therapeutischen Beziehung insgesamt. Aber zunächst einmal ist es bedeutsam, die Befunde Petrys Überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.

 

Dr. Ludwig Janus, Heidelberg

 

Internationale Zeitschrift für pränatale und perinatale Psychologie und Medizin, Nr. 4 / 1996