Sexueller Missbrauch

Ronja, 25 Jahre

 

Im Folgenden möchte ich zuerst beschreiben, wie es mir ging, als ich zu Iris Dickhöfer in die Praxis kam, um mich mit dem Begleiteten Systematischen Wiedererleben (BSW) von meinem Traumata zu befreien. Danach beschreibe ich kurz, wie ich das BSW in den Sitzungen erlebe und was sich in meinem Leben und in mir alles veränderte. Daraufhin werde ich berichten, wie zwei Sitzungen „von innen“ abliefen, um verständlich zu machen, wie das Wiedererleben von sexuellem Kindesmissbrauch ablaufen kann.

 

I. Wie es mir vor dem Wiedererleben bei Iris Dickhöfer ging

 

II. Wie ich das Wiedererleben meiner Traumata erlebe und was dadurch bei mir passiert

 

III. Protokoll zweier Sitzungen „von innen“

 

I.

 

Jahrelang wusste ich gar nicht, was es eigentlich war, das mich so stark belastete. Mir fiel auch nicht auf, dass ich Erinnerungslücken hatte; ich dachte, es sei normal, sich an nur wenig aus der Kindheit zu erinnern. Ich spürte nur, dass irgendetwas in mir war, das ich nicht kannte, und eine tiefe Sehnsucht, mich endlich kennen zu lernen. Es war, als sei ich mir selbst sehr fremd.

 

In meiner Pubertät hielt ich mich von den jungen Männern fern, obwohl ich genauso wie die anderen jungen Mädchen hin und wieder verliebt war. Doch ich empfand eine große Distanz, als könne ich nicht „mitmachen“, als wäre ich ausgeschlossen vom Leben. In dieser Zeit hatte ich starke Depressionen, auch Suizidgedanken.

 

Als ich älter wurde, fühlte ich mich immer mehr fehl am Platz, weil ich wahrnahm, dass ich kein normales Leben führte. Ich verliebte mich in Männer, die mich nicht wollten, die verheiratet waren; und die Männer, die mich mochten, stieß ich in einer Art Verzweiflung vor den Kopf.

 

Immer wieder fragte ich mich, was denn mit mir bloß los ist. Ich fand keine Antwort. Irgendwann geschah es, dass ein Mann, der mich begehrte, den ich aber nicht wollte, mich in einen Hauseingang drückte. Und ich ließ es geschehen. Ich wusste währenddessen und auch später, dass ich dieser Situation vielleicht noch hätte entrinnen können, wenn ich nicht wie in einer Trance gehandelt hätte und alles mit mir geschehen ließ. Ich wusste nicht, was es war, was mich handeln ließ. Ich öffnete diesem Mann meine Wohnungstür und ließ ihn mit mir machen, was er wollte, und ich ließ es über mich ergehen, obwohl ich ihn nicht attraktiv fand und auch nicht liebte.

 

Anschließend wusch ich mir wie verrückt die Haare, immer wieder. Und ich fragte mich, warum ich das getan hatte. Es war, als wäre ich ein Roboter, der keinen eigenen Willen hat. Ich war mir selbst ein Rätsel, meine Sexualität war mir ein Rätsel. Ich schlief mit einigen anderen Männern, und die meisten fand ich schon vorher abstoßend. Immer wieder fragte ich mich, woher diese zynischen, mich verbal immer wieder verletzenden Männer wussten, dass sie mit mir schlafen konnten. Denn ich wollte es nicht, doch ich tat es. Es war, als wäre ich zwei Menschen in einem. Der eine war wie in Trance und ließ sich demütigen, und der andere weinte und schrie innerlich.

 

Von meiner Not erzählte ich niemandem. Ich schämte mich für mich selbst, dafür, dass ich etwas lebte, das ich nicht leben wollte. Und dafür, dass ich nicht leben konnte, wie ich wollte. Ich wünschte mir, ich könnte einen Mann finden, der mich respektierte, aber schon beim Gedanken daran fühlte ich, dass ich es nicht wert war. In meinen Augen war ich jemand, der so etwas nicht verdiente, dass ich mir eine Liebe erschlich, die mir nicht angemessen ist.

 

Doch ich wusste nicht, warum ich so fühlte. Bald nach dem Vorfall im Hauseingang wurde ich immer depressiver. Ich konnte nachts nicht schlafen und ging durch die Stadt, in meinem Kopf kreisten Selbstmordgedanken, ich hasste mich, am liebsten hätte ich mich zerstört.

 

Zum Glück habe ich es nicht getan.

 

Doch diese Zeit war sehr schlimm für mich. Ich hatte Alpträume, in denen ein totes Kind vorkam, und ich kontrollierte nachts immer wieder, ob alle Türen zu meiner Wohnung verschlossen waren. Es war wie ein Horror. Und es geschah immer wieder. Ich wurde gedemütigt, manchmal erfuhr ich später, was die Männer über mich erzählten, es war wie eine Demütigung aus zweiter Hand. Und es nahm kein Ende. Es fühlte sich an, als sei ein normales Leben für mich nicht möglich. Alles wurde immer sinnloser und ich begann, mich immer mehr zurückzuziehen. Ich konnte niemandem mitteilen, was in mir vorging, und vermutlich haben viele der Menschen, die mich „kennen“, nicht einmal etwas ahnen können. Mir war das aber sehr recht, denn ich wollte nicht, dass jemand etwas erfuhr, und ich von den Menschen verachtet wurde, die mir etwas bedeuteten. Gleichzeitig fühlte ich mich wie eine Lügnerin. Als würde ich nur so tun, als wäre ich normal, doch in Wirklichkeit fühlte ich mich zerstört, kaputt, wertlos.

 

Dann kamen die ersten Erinnerungen. Ich ließ alles stehen und liegen und lief nach Hause, verfolgt von Bildern, die ich nicht zuordnen oder einordnen konnte. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Was war das? Und wer war ich? Wer war ich wirklich? Ich zweifelte, ich konnte es nicht wahrhaben. Das Wechselspiel aus Nicht-Wissen, aber doch etwas ahnen, aus Flashbacks und Wieder-Verdrängen zog sich über mehrere Jahre. In dieser Zeit versuchte ich auch, mir Hilfe zu holen, doch scheiterte ich immer wieder. [...]

 

Instinktiv wusste ich, dass ich meine Erinnerungen zurückhaben wollte, dass ich mich meinen Erlebnissen stellen wollte, dass ich mich selbst wiederfinden musste, um wieder glücklich sein zu können. All die Menschen, die mir sagten, ich solle doch mit der Vergangenheit abschließen und einen Neubeginn wagen, lösten in mir Verzweiflung und Trauer aus. Wie sollte ich etwas beenden, dass ich nicht kannte? Wie sollte ich neu beginnen, wenn ich zu einem Leben, das mir lebenswert schien, für mich nicht zu erreichen war? Auch erlebte ich mich mir selbst gegenüber als hilflos, wenn ich mich mit Männern einließ, die ich eigentlich nicht mochte. Und Dinge tat, die mehr Selbstbestrafung waren als eine Freude am Zusammensein mit einem Mann. Ich wurde gewürgt, geschlagen, ausgelacht, bloßgestellt. Und mir wurde immer bewusster, dass ich dies alles schon kannte. Mir kam das auf eine Weise normal vor, die mich gleichzeitig erschreckte.

 

Als ich dem Wiedererleben bei Iris Dickhöfer begegnete, hatte ich schon einige Erinnerungen im Kopf, aber ich zweifelte immer noch, ob ich wirklich in meiner Kindheit missbraucht wurde. Dieser Zweifel machte mich fast verrückt, weil ich dachte, vielleicht hätte ich eine kranke Phantasie. Trotzdem waren einige Symptome nicht von der Hand zu weisen. Denn kurz bevor ich in zum Wiedererleben kam, war der Schmerz, den ich üblicherweise beim Sex hatte, so stark geworden, dass mein ganzer Körper wehtat und alles in mir schrie. Ich hatte ständig, auch im Alltag, das Gefühl, ich würde umkippen, als würde mich jemand von hinten packen, mir wurde nach jedem Sex schlecht und ich musste mich fast übergeben. Die Annäherungen meines damaligen Sexualpartners lösten in mir Wut, Hass und massiven Stress aus. Obwohl gerade dieser Mann sehr nett war. Doch hatte er eine Art, mich zu bedrängen und nicht in Ruhe zu lassen, die mich zur Weißglut trieb. Ich hatte das Gefühl, dass ganz egal, wo meine Grenze ist, sie nicht eingehalten wird, und dass es ganz egal war, wie es mir ging, Hauptsache, er bekam seine Befriedigung. Ich verließ ihn. Und begann aufzuarbeiten.

 

II.

 

Dann begann das Aufarbeiten mit dem Wiedererleben. Das Schöne an dieser Methode ist, dass nichts vorgegeben wird. Das heißt, ich konnte durch das Wiedererleben selbst herausfinden, wie alles war, wie ich mich damals fühlte, wie es sich auf mein Leben auswirkte – und ich fand heraus, dass sich wirklich die Traumata nach und nach auflösen. Zurzeit bin ich immer noch im Wiedererlebens-Prozeß, doch konnte ich schon einiges wiedererleben und ich als Mensch und mein Leben haben sich dadurch verändert.

 

Man kann sich das Wiedererleben so vorstellen, dass man in seine Vergangenheit „abtaucht“ und gleichzeitig weiß, dass die Begleiterin da ist und einem hilft. Manchmal hatte ich Angst, mich an etwas zu erinnern, aber ich wurde nie gedrängt, und das war gut so, denn ich bin in meinem Leben genug zu etwas gedrängt worden. Im Prinzip ist es so, dass man das UnterBewusstsein alles selbst machen lässt, man hört aber auf, es zu unterbrechen. In mir fühlt sich das an wie eine ganz eigene Bewegung aus innen heraus, es sind viele Erinnerungen im Kopf, in den Gefühlen und im Körper. Nach einer Weile konnte ich alles „ablaufen“ lassen. Der Körper und die Gefühle machen das für mich, und ich beobachte alles und fühle mit mir mit. Man wiederholt dann das Fühlen und Erleben immer wieder, bis man zu dem, was man erlebt hat, neutral eingestellt ist. Dies äußert sich bei mir meist in einer tiefen Erleichterung.

 

Manchmal brauche ich auch mehrere Sitzungen, um ein traumatisches Geschehnis aufzulösen. Das Praktische am Wiedererleben war für mich, dass das Trauma in ganz vielen kleinen Einzelteilen in mir auftauchte, und ich immer diese kleinen Abschnitte wiedererlebte. Denn ich konnte ja schon in meiner Kindheit die Traumata nicht in einem Stück verarbeiten, als alles gleichzeitig passierte. Und beim Wiedererleben kommen die Traumata in kleinen Abschnitten zu Bewusstsein, und so kann ich sie auch nach und nach verarbeiten.

 

Mittlerweile fühle ich mich zwischen den Sitzungen so stabil, dass ich selbst, wenn neue Erinnerungen kommen, damit sehr gut umgehen kann. Ich fühle so etwas wie eine Kraft in meinem Inneren, die mich trägt. Und die wird immer größer. Auch fühle ich mich mir selbst sehr viel näher. Oft, wenn ich an mich als Kind denke, sind die Gedanken liebevoll und mitfühlend, und ich fühle mich weniger von mir selbst entfremdet, ja sogar wie mit mir selbst „verschmolzen“. Das ist sehr schön und ich genieße es mehr. Auch brauche ich immer weniger Ablenkung und Zerstreuung. Ich bin im Kontakt mit anderen Menschen mehr bei mir und kann deshalb mehr Nähe finden. Immer tiefer ruhe ich in mir selbst und bin gelassen mit dem, was im Alltag geschieht. Manchmal bin ich gerührt, weil ich endlich alles fühlen und erleben darf, und auf diese Weise zu mir selbst zurückfinde. Ich habe mich lange genug vermisst und jetzt wieder gefunden. Es ist, als tue sich eine völlig neue Welt auf, mein Leben ist im Moment wie ein stiller, ergreifender Sonnenaufgang.

 

III.

 

Beim Lesen der folgenden zwei Sitzungsprotokolle bitte ich nicht zu erschrecken. Denn man muss es sich so vorstellen, dass ich dies hier so gelassen hinschreiben kann, weil es sich aufgelöst hat. Und aufgelöst hat es sich, weil ich die Inhalte, die hier gleich zu lesen sein werden, immer wieder und wieder gefühlt und erlebt habe, sie wieder in mein Sein integriert habe, und sie mich deshalb nicht mehr quälen, sondern friedlich sind wie andere Erinnerungen auch. Während ich das alles schreibe, bin ich nüchtern, aber keinesfalls abgestumpft. Ich fühle tief mit dem kleinen, gequälten, vergewaltigen Mädchen in mir, und gleichzeitig liebe ich mich selbst mehr als jemals zuvor, ja geradezu inbrünstig.

 

Nach dem Wiedererleben habe ich fast immer alles aufgeschrieben, was aufkam, es war für mich eine Möglichkeit, mich auf dem Papier nochmals auf die Welt zu bringen, festzuhalten, was geschehen war, mich niemals zu vergessen. Denn das kann leicht geschehen mit Ereignissen, die mich nicht mehr belasten. Die Vergangenheit wird wie von selbst aufgelöst, und was zurückbleibt, bin nur ich selbst, ganz friedlich und ruhig.

 

Zur ersten Sitzung bei Iris kam ich mit heftigen Symptomen: Nachts war mir übel, wenn ich vorher sexuellen Kontakt hatte. Ich wurde aggressiv, sobald mich jemand berührte, auch konnte ich keine Nähe zu einem anderen Körper ertragen. Ich hatte einen furchtbaren Druck auf den Brustkorb, wie von außen und innen gleichzeitig, und fühlte einen rasenden Schmerz darin. Der Druck und die Schmerzen fühlten sich so an, als könnte mein Brustkorb jeden Moment aufplatzen. Ich fühlte mich wie Dreck. Außerdem hatte ich Schmerzen an der Klitoris und in der Vagina. Es fühlte sich an, als würde ich jeden Moment in Ohnmacht fallen, als könnte ich mich jeden Moment übergeben, als packte mich jemand von hinten. Ich konnte kaum klar denken, musste mich auf das Äußerste zusammenreißen, um arbeiten zu können. Ich empfand die Situation als äußerst belastend.

 

Iris Dickhöfer lässt mich all das fühlen. Und über all diese Gefühle im Körper und in der Seele falle ich schnell ins Wiedererleben. Es kommt eine Situation hoch, von der ich schon seit einigen Jahren Bilder im Kopf habe, aber sie nicht zuordnen konnte.

 

Im Kopf habe ich das Bild eines männlichen Geschlechtsteils, fast auf Augenhöhe, ich stehe. Der Mann sitzt, das Bild verschwimmt wieder und ich glaube, dass es nicht passiert ist, ich dränge alles weg. Ich fühle starke Angst, habe das Gefühl, mich übergeben zu müssen, in Ohnmacht zu fallen. (Mein Kopf geht dabei zur Seite und mein Becken bewegt sich, ich ziehe immer wieder die Beine hoch und zusammen, mit der rechten Schulter mache ich eine Zuckbewegung, als wollte ich etwas abschütteln.) Die Angst fängt an, regelrecht durch meinen Körper zu hämmern, wieder das Gefühl in Ohnmacht zu fallen, Schmerzen, im Brustkorb und an der Scheide, auch das Gefühl, dort berührt zu werden. Nach mehreren Durchgängen geht es mir schon besser, ich fühle mich warm und geschmeidig in meinem Körper, spüre aber, dass die Situation noch nicht ganz verarbeitet ist. Ich kenne nämlich die Bilder und die Gefühle von Flashbacks, die ich früher hatte. Heute, nach weiterem Aufarbeiten, weiß ich, dass ich in meiner Kindheit von mehreren Männern sexuell missbraucht wurde, die mit einem kleinen Mädchen eine Art Sexparty veranstalteten – eine von mehreren Situationen von sexuellem Missbrauch aus meinem Leben, die tiefe Spuren in mir hinterließ.

 

In der vierten Sitzung schließe ich dieses Stück Trauma ab. In dieser Sitzung zeige ich ähnliche Körperreaktionen wie zuvor, das Schulterzucken, das Beckenzucken, das Zusammenziehen der Beine, der Kopfwegdrehen. Dieses Mal spüre ich den Zusammenhang zu dem Gefühl und den Gedanken: „Ich will nicht!“, „Das ist nicht wahr!“, „Das passiert nicht!“, und wenn ich den unteren Rücken bewege und sich die Muskulatur dort zusammenzieht, will ich mir „alles da unten“ abklemmen. Dann fühle ich an der Scheide Jucken und Schmerzen, das Gefühl, dass dort jemand herumspielt, dann hat plötzlich jemand eine Hand auf meiner Schulter, ich bin völlig fassungslos, dass dies wirklich geschieht. Ich muss furchtbar weinen, ich bin als erwachsene Frau genauso fassungslos wie damals als Kind. Ich denke erst, ich muss mich wieder beruhigen, aber ich darf so lange weinen, wie ich will und wie ich es benötige. Ich fühle, dass mein Weinen eine Mischung aus der früheren und der aktuellen Situation ist. Aber alles darf sein und das rührt mich sehr. Ich darf endlich alles fühlen, was ich immer unterdrückt habe, und eine Flut von Bildern läuft ab. Fassungslos werde ich Zeugin dessen, was an Erinnerungen hochkommt, ich nehme wahr, was abläuft, es ist auch für mich während des Wiedererlebens kaum zu glauben und zu ertragen. Und ich muss noch einmal weinen, und diesmal weine ich aus den tiefsten Tiefen meines Wesens.

 

Dann pumpt sich ein enormer Stress durch meinen Körper und mir schwindelt. Ich fühle, wie mich jemand von hinten packt, jemand ist hinter mir. Wieder mache ich all die Körperbewegungen und spüre, ich will das nicht wissen, nicht fühlen, nicht erleben zu müssen. Als nächstes überkommt mich tiefe Scham, das Gefühl, niemals jemandem davon erzählen zu können. Ich fühle mich einsam, verlassen, und der Stress ist furchtbar. Ich habe den Eindruck, der Stress drückt mich aus dem Körper heraus, ich bin plötzlich außerhalb meines Körpers und sehe, was geschieht, sehe die Männer, und was ich noch sehe, zersprengt meine Vorstellungskraft, zersprengt mich. Dass so etwas mit einem Kind geschieht, dürfte es gar nicht geben, denke ich noch. Ich sehe aber nur von außen und weit weg, was geschieht. Dann mache ich plötzlich eine sehr angenehme Erfahrung. Ich fühle mich sehr weit und alles beruhigt sich, tiefer Frieden macht sich breit und ich fühle echte Ruhe in mir. Ich atme tief durch. Dann kommen noch einmal Bilder, inneres Schreien, die aber schon von dieser Ruhe getragen werden, die sich noch in mir abspielen, aber irgendwie losgelöst erscheinen, obwohl ich es noch intensiv erfahre. Auch haut es mich noch mal aus meinem Bewusstsein heraus. Ich fühle alles von der Sitzung noch mehrere Male, und es wird immer leichter und kürzer.

 

Nach der Sitzung geht es mir gut, ich bin ruhig und erleichtert.

 

In den folgenden Sitzungen erlebe ich noch verschiedene Teile des Traumas weiter, mir geht es aber schon insgesamt besser. Mittlerweile habe ich auch andere Missbrauchssituationen bearbeitet und ich freue mich mittlerweile darauf, noch weiter von alldem befreit zu werden.

 

Es ist zwar so, dass zwischen zwei Sitzungen viel hochkommt, aber ich wusste, sobald ich in der Praxis hatte, konnte ich einfach loslassen und alles „ablaufen“ lassen, was mich so belastete. Auch bin ich aus nahezu jeder Sitzung mit einem positiven Gefühl gegangen, meist Erleichterung. Diese hielt bis zur Auflösung von einem Aspekt meist noch nicht so lange an, doch nach dem Abschluss von etwas macht mir das Wiedererlebte nichts mehr aus. Ich fühle mich dem neutral gegenüber, gelassen. Es ist Bestandteil meines Lebens, aber belastet mich nicht mehr.

 

Ich habe zwar noch nicht ausprobiert, wie ich jetzt zu Männern stehe, aber ich fühle, dass ich mir jetzt Zeit lassen möchte, erst einmal so viel wie möglich auflösen, damit ich auch einmal schöne Erlebnisse mit Männern erleben kann. Und mir Männer suche, die mir gut tun. Ich freue mich schon darauf, einmal ein „normales“ Leben führen zu können, ich hatte schon nicht mehr geglaubt, dass das jemals möglich sein würde.